LoveScout24

Zwei Tage nach dem Bumble-Fiasko unternehme ich einen zweiten Versuch, meine Traumfrau zu finden. Ich melde mich bei LoveScout24 an. Der Name knistert wie ein Kassenbon im Baumarkt. Aber wer in Berlin Wohnungen vermittelt (früher gehörte das Portal zur Scout24 AG), der sollte auch die ungleich leichtere Aufgabe lösen können, mich für eine Frau zu begeistern.

Nachdem ich die App installiert habe, muss ich zunächst zwei Dutzend Fragen beantworten – was mich eine geschlagene halbe Stunde kostet. Immerhin bin ich anschließend überzeugt, für die Brautschau gut gerüstet zu sein.

Die ersten Frauen, die man mir präsentiert, sind Claudi (48) aus Spandau und Birgit (53) aus Stahnsdorf. Der vielgepriesene Matching-Algorithmus von LoveScout24 scheint tief – sehr tief – in mein Unterbewusstsein zu schauen. Ungeahnte Wünsche treten zutage. Als nächstes erscheint Uschimaus (67) aus Lübbenau. Ich werfe sicherheitshalber einen prüfenden Blick in die Einstellungen. Und siehe da, ich habe zwar alle Fragen zu meiner eigenen Person beantwortet, jedoch vergessen, Suchfilter zu setzen. Das hole ich jetzt schleunigst nach: Alter auf »23 bis 33« und Wohnort auf »Berlin«.

Zurück am Strand der Möglichkeiten sind Claudi, Birgit und Uschimaus verschwunden. Stattdessen lächelt mich Kaddi (33) aus Potsdam an. Kaddi! Sie arbeitet mit »kleinen Menschen«. Vielleicht eine Kindergärtnerin? Auf die Frage nach ihrem Lieblingsbuch erwidert sie, mit großer Freunde das zu lesen, was auf der Shampoo-Flasche steht. Muaahhhhhh, was für eine coole Frau!

Wo kann ich Kaddi schreiben? – Aha, hier! – klick – Was?! Ich brauche eine Premium-Mitgliedschaft, die mich monatlich 45 Euro kostet?! Bei einer Laufzeit von sechs Monaten?! Das sind ZWEIHUNDERTSIEBZIG Euro! Für das Geld kann ich mich genauso gut ins Taxi setzen und eine Potsdamer Kita nach der anderen abfahren, um Kaddi zu finden. Oder ich halt’s wie Charles Bukowski: »I stopped looking for a Dream Girl, I just wanted one that wasn’t a nightmare.«

Tschüss, LoveScout24.