Bumble

Auf einer Plattform namens Bumble begann am Sonntagabend meine Online-Dating-Karriere. – Übrigens, wer partout nicht erfahren möchte, was in der achten Episode der vierten Staffel von Game of Thrones passiert, sollte nicht bis zum Ende lesen! – Bumble ist wie Tinder, mit dem feinen Unterschied, dass bei Bumble die den Mann suchende Frau den ersten Schritt tun muss: Nur sie kann eine Unterhaltung beginnen. Da mein Icebreaker aus dem analogen Leben – Bist du so nett, mir die Uhrzeit zu verraten? – fürs digitale zu verschroben ist, kommt mir dieses asymmetrische Anquatschprinzip sehr zupass. Doch bevor mich eine anschreiben kann, muss ich sie nach rechts gewischt haben. Das gute alte swipe right.

Ich liege also am Sonntagabend auf der Couch, ziehe mir ein Profil nach dem nächsten rein … und wische jede Frau nach links. Das Leben ausnahmslos aller Kandidatinnen besteht aus Flugreisen, Yoga und Hunde Knuddeln. Da finde ich mich einfach nicht wieder. Ich fahre Berlin-Warschau-Express, komme mit den Fingerspitzen gerade mal bis zu den Knien und ein Hund bin ich auch nicht.

Jedenfalls bin ich dermaßen im Fluss, dass mein Zeigefinger mit einem formvollendeten Schwung auch »Dana 34« ins Dating-Nirwana verbannt. Auge und Herz erkennen den Fehler zu spät. Der Versuch, die verlorene Seele mit einem Wisch nach rechts zurückzuholen, scheitert kläglich, denn ihren Platz hat bereits eine neue Kandidatin eingenommen. Jetzt ist sie die Glückliche, der mein erstes Bumble-Herz gehört. Verdammt.

In der Folge bin ich aufmerksamer – und werde belohnt durch gleich drei Frauen, die es schaffen, meine Neugier zu wecken:

Die erste beschreibt sich als »niveauflexibel«. Klingt lässig … aber auch leider ein Tick zu arrogant. Swipe left.

Die zweite braucht nur einen einzigen Satz, um sich vorzustellen: »Lieber zwei Damen im Arm als zwei Arme im Darm.« Ich denke: Threesome! … ist jetzt nicht, wonach es mich verlangt. Swipe left.

Die dritte Frau schließlich lässt mich wissen: »Legpress mach ich 160 kg.« Unwillkürlich drängt sich mir das Bild auf, wie ich mit meinem Gesicht zwischen ihren Schenkeln liege, sie ohne Vorwarnung die Falle zuschnappen lässt und mein Köpfchen zerplatzt wie weiland das von Oberyn Martell. Panisch lösche ich meinen Bumble-Account.

Am Sonntagabend endete meine Online-Dating-Karriere.