BS #8: Kaffeekochen

Wenn ihr etwas nicht gelingen wollte, pflegte F.s britische Kollegin zu sagen: »I do not get it baked.« Sie wusste: Wer im Land der Brotabhängigen so redet, der fliegen die Herzen zu.

Auch F. musste feststellen, in letzter Zeit nicht alles gebacken zu kriegen. Da war vor allem die Sache mit Braunschweig. Die Oker-Metropole und er wurden einfach nicht warm miteinander. Seine Kolleginnen – und derer gab es viele – schienen dieses Problem nicht zu haben. Weder die Britin, noch die Ostwestfälin, und ganz besonders nicht die Frau, die F. erst seit letztem Dienstag kannte.

Es war am Vormittag gegen halb elf, als F. bereits zum zweiten Mal an diesem Tag Kaffee kochte. Er liebte diese Aufgabe. Sie war die einzige, die in seinem Job eine Herausforderung darstellte. Konkret bestand diese Herausforderung darin, die eigene Kaffeekochbestzeit zu unterbieten. F. war sich der Tatsache bewusst, auf das, was nach dem Anschalten der Maschine geschah, keinen Einfluss zu haben, auf die Schritte davor umso mehr. Und so setzte er um 10:32 Uhr zum Sprung an: von der Schublade, der er soeben die Schere entnommen hatte, in der einen Ecke der Küche hin zum Karton mit den Filterkaffee-Portionsbeuteln zu je 90 Gramm in der entgegengesetzten Ecke. Doch zu einem Sprung sollte es heute nicht kommen, denn plötzlich stand da diese Frau, mitten im Raum – und verdarb F. einen neuen Rekord. Dabei lächelte sie so einnehmend, dass er davon absah sie anzupampen und stattdessen fragte: »Ich bin F. Gehst Du heute Mittag mit mir essen?«

Wenigstens damit hatte er Erfolg. Anderthalb Stunden später saß er gemeinsam mit der Kollegin in der Kantine. Und hier war es auch, dass sie ihm ihre Liebe zu Braunschweig gestand. Ihr Schwärmen mündete in den Satz: »Fast jeden Abend gibt es drei verschiedene Veranstaltungen!«

»Genau«, dachte F. laut. Die Kollegin lächelte ihr Lächeln. Sie freute sich über jeden Braunschweig-Enthusiasten.